Dr. Jens Brandenburg

Anhaltend hohe Studierendenzahlen - Es fehlt nachhaltig an Flächen und Geld

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Jens Brandenburg besuchte die DHBW Mosbach für einen bildungspolitischen Austausch. Mit der Rektorin Prof. Dr. Gabi Jeck-Schlottmann sprach er über die finanzielle Lage der Hochschule, deren Bedeutung als Wissenstransferpartner für den ländlichen Raum und über das geplante Baukompetenzzentrum. Der 33-jährige Walldorfer ist hochschulpolitischer Sprecher seiner Fraktion und möchte das Duale Studium nach Vorbild der DHBW bundesweit ausbauen.

Von den 34.000 Studierenden der Dualen Hochschule Baden-Württemberg befinden sich 3.600 Studierende am Standort Mosbach bzw. Bad Mergentheim. Gemeinsam mit 1.000 Partnerunternehmen aus ganz Deutschland bietet der Standort Mosbach 29 Studienrichtungen mit einem technischen Profil an, darunter Bauingenieurwesen, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen. Aber auch innovative und einmalige Studienangebote wie Holztechnik, Holzwirtschaft oder Onlinemedien gehören zu den Schwerpunkten der Hochschule. Als Steckenpferd der DHBW beschreibt Jeck-Schlottmann die Elektromobilität, die unter anderem in den Studienfächern Mechatronik und Elektrotechnik eine große Rolle spiele.

Der Besuch begann mit einem Einblick in die digitale Fabrik der Hochschule, eine vollautomatisierte Fertigungsstraße zur Herstellung einer individualisierten Taschenlampe. Ursprünglich als Forschungsprojekt für die Industrie 4.0 entwickelt, bietet sie nun den Studierenden als Laborübung die Möglichkeit, vom Kundenauftrag über die Fertigung bis hin zur Auslieferung einen gesamten komplexen Arbeitsprozess als „Miniatur-Wirklichkeit“ zu erfassen und umzusetzen. Besonders positiv: die digitale Fabrik wird interdisziplinär von den Studierenden aller Studiengänge genutzt.

Jeck-Schlottmann informierte den Bildungspolitiker über die anstehenen Entwicklungen an der Hochschule. Neben einem bereits eingeführten neuen Studiengang der Lebensmitteltechnik sind zukünftig auch ein Kompetenzcluster Digitalisierung und ein Baukompetenzzentrum am Campus geplant. Das Baukompetenzzentrum soll die bereits vorhandenen Bachelor-Abschlüsse des Bauingenieurs und der Holztechnik und Holzwirtschaft um Masterabschlüsse ergänzen. Zusammen mit Weiterbildungsangeboten, kooperativer Forschung und ergänzenden Schwerpunkten soll ein vollständiger akademischer Bildungsweg angeboten werden. Ziel der DHBW sei es, das Know-How über die Disziplinen hinweg zu bündeln und als Wissenstransferpartner mit innovativen Lösungen für die Unternehmen und die Region zur Verfügung stehen, so Jeck-Schlottmann.

Um Unterstützung bat die Rektorin mit Blick auf den Flächenmangel und die unsichere Finanzierung der Studiengänge. Aktuell stehen der Hochschule bereits zu wenige Flächen zur Verfügung. Die Lage werde sich künftig noch verschärfen. Die Hälfte der Anfängerkurse am Standort Mosbach wird über das derzeit auf fünf Jahre bis 2020 befristete Ausbauprogramm finanziert. Es wurde ursprünglich eingerichtet, um die steigenden Studierendenzahlen abzufangen. „Die Kurse werden auch zukünftig dringend benötigt. Die Studierendenzahlen sind nicht wie erwartet zurückgegangen. Die notwendigen Kurse werden wir nicht weiter anbieten können, wenn die Finanzierung ausläuft“, erklärte Jeck-Schlottmann.

Brandenburg versprach Ihr, sich beim Finanzministerium und beim Wissenschaftsministerium für eine langfristige Finanzierung der Kurse und die Beschaffung neuer Flächen einzusetzen: „Mit dem Zukunftsvertrag unterstützt der Bund die Länder nun dauerhaft bei der Finanzierung der Hochschulen. Das Geld muss vor Ort ankommen. Dabei darf die Duale Hochschule nicht ausgeschlossen werden“, zeigte sich Brandenburg entschlossen. Mit der exzellenten Verbindung akademischer Theorie und praktischer Anwendung sei das baden-württembergische duale Studium ein bundesweites Vorzeigemodell, das man nicht kleinsparen, sondern ausbauen solle.