Dr. Jens Brandenburg

Freie Demokraten legen Konzept für ein zweites Bildungssystem vor

Die Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag hat ihr Konzept für ein zweites Bildungssystem vorgestellt. Unter dem Titel "Niemals ausgelernt - Weltbeste Bildung für das ganze Leben" wird gefordert, jedem volljährigen Bürger und jeder volljährigen Bürgerin ein persönliches Freiraumkonto zur Verfügung zu stellen, auf dem Teile des Gehalts, Boni und ungenutzte Urlaubstage steuerfrei eingezahlt werden können, die dann u. a. für Weiterbildung genutzt werden können. Aber auch Auszeiten bspw. für ehrenamtliches Engagement und Pflegezeiten können daraus finanziert werden. Menschen mit geringem Einkommen erhalten Unterstützung durch ein Midlife-BAföG in Höhe von bis zu 1000 € im Jahr, das über zehn Jahre hinweg angespart werden kann. So sollen auch vor allem Geringqualifizierte angesprochen werden. Weiterbildungsangebote sollen in einer digitalen Bildungsarena gebündelt und wie in einem Online-Shop direkt über das Freiraumkonto gebucht werden können.

Jens Brandenburg, Sprecher für lebenslanges Lernen, berufliche Bildung und Studium der FDP-Bundestagsfraktion, sagt dazu: 

"Wir fordern ein zweites Bildungssystem für das ganze Leben. Das Freiraumkonto ermöglicht jedem, flexibel in die eigene Weiterbildung zu investieren. Vom selbstbestimmten E-Learningmodul in der Straßenbahn bis zum mehrmonatigen Vollzeitstudiengang ist alles möglich. Das Midlife-BAföG und finanzierbare Bildungszeiten geben auch Menschen mit kleinem Einkommen eine realistische Aufstiegschance. Schaffen wir Transparenz im Weiterbildungsdschungel. Die digitale Bildungsarena soll den Zugang zu allen Angeboten per Mausklick vereinfachen und bereits erreichte Qualifikationen vergleichbar machen. Die Suche nach dem passenden Bildungsangebot muss so einfach sein wie Bestellen im Online-Shop.

Die Bundesregierung bleibt hingegen bei der Weiterbildung auf halber Strecke stehen. Bundesarbeitsminister Heil und Bundesbildungsministerin Karliczek präsentieren bislang nur alten Wein in neuen Schläuchen und kaum innovative Ideen. Die Digitalisierung erfordert mehr als das. Weiterbildung wird zum Schlüssel für selbstbestimmtes Leben und Arbeiten. Vor allem für Geringqualifizierte wollen wir den Zugang zu Weiterbildung erleichtern."

Johannes Vogel, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag, äußert sich wie folgt: 

„Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt. Zwar wird uns die Arbeit unterm Strich entgegen mancher Unkenrufe nicht ausgehen, aber Sie verändert ganze Branchen. Wir wollen mehr Selbstbestimmung ermöglichen, denn die Chance hierfür besteht. Damit alle Bürger zum Pilot ihres eigenen Lebens werden kann, wollen wir jeder und jedem das Versprechen geben, gut am digitalen Wandel teilhaben zu können. Wir brauchen ein echtes zweites Bildungssystem für das ganze Leben. So können auch immer wieder neue Aufstiegschancen und Möglichkeiten für die persönliche Weiterentwicklung geschaffen und finanziert werden!

Aber auch Bildung und Bildungsauszeiten muss man sich schlicht leisten können. Deshalb ist die Finanzierungsfrage zentral. Wir wollen die bestehenden Langzeitkonten in ein arbeitgeberunabhängiges, persönliches Freiraumkonto umwandeln. Auf diesem Konto können Einkommen, Boni, Überstunden und mehr sowie etwaige Zahlungen des Arbeitgebers als Bildungssparen mit Steuer- und Sozialversicherungsvorteilen eingezahlt werden. Wie die Entgeltumwandlung in der Altersvorsorge schon heute.

Damit Weiterbildung auch für Menschen mit geringerem Einkommen wirklich möglich ist, wollen wir zudem ein Midlife-BAföG einführen. Denn das BAföG hat seinerzeit einer ganzen Generation die Türen zu den Universitäten geöffnet und somit Aufstiegschancen ermöglicht. Das wollen wir im 21. Jahrhundert für das Thema Weiterbildung wiederholen!

Die sogenannte nationale Weiterbildungsstrategie der Bundesregierung springt offensichtlich viel zu kurz und die Ergebnisse sind kärglich. Zwar wurde der Bundesagentur für Arbeit neue Aufgaben bei der Weiterbildungsförderung Beschäftigter gegeben, was wir auch als Opposition unterstütz haben. Aber erweiterte Aufgaben einer Behörde können doch nicht alles sein. Neue Ideen suchte man bei der Vorstellung im Sommer vergeblich - die einzige substanziell Maßnahme war, ein bestehendes Programm um ein paar hundert Millionen Euro zu erhöhen. Ein bestehendes Programm etwas zu erweitern ist richtig, aber doch keine ,nationale Strategie'. Daher legen wir einen Vorschlag für einen großen Wurf vor.“

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